Call for Participation – Thalia 2.0

Thalia Theater Das Thalia Theater zieht 2010 tatsächlich eine Sache durch, die nach allgemeiner Erfahrung nur in Ansätzen und Worthülsen steckenbleiben kann: Das im vorigen Sommer nach Hamburg gekommene neue Team will das “Theater zur Stadt hin öffnen”, mit dem “Theater in die Stadt hinein wirken” – als diskursivfreudige Institution, die nicht davor zurückschreckt, einen Prozess anzustoßen, dessen Entwicklung und Ergebnis niemand so recht einzuschätzen in der Lage ist. Immerhin: sukzessives Scheitern und verschwurbelte, partikulare Belanglosigkeiten sind bei Open Source Bewegungen ebenso wahrscheinlich wie das anvisierte Freisetzen von Kreativität.

Trotz aller Vorabskepsis sind nach einem halben Jahr erste Früchte erkennbar – und die sind sogar reif: Zur Spielzeiteröffnung veranstaltete man eine Art Open Stage Wettbewerb, bei dem alle mutigen Gäste auf der Großen Bühne den fast schon abgedroschenen Hamlet-Monolog rezitieren konnten. “2BEORNOT2BE” destillierte gleich am ersten Abend zwei Grundlinien der ersten Spielzeit unter Joachim Lux: die Prinzipien des “Remixes” und des “User Generated Content”.

Regisseur Jonas Zipf und Dramaturg Tarun Kade entwickeln seither Bühnen- und Online-Formate, die beides spielerisch austesten. Beim “Slam the Gong” in dem zur “Zentrale” umgemünzten “Nachtasyl” Club wird das Prinzip des Open Mic weitergeführt. Ein Workshop im Frühherbst mündete in den Aufbau einer extrem performancereichen Website nebst Facebook-Community. Beide Tools werden mit Bravour bedient und stellen die Foren und Gruppen anderer Kulturinstitutionen als plumpe Behauptung bloß. Der Impuls liegt für Zipf und Kade in der Frage: Wie lassen sich die Charakteristika des Web 2.0 – Offenheit, Dialog und Partizipation – auf das Theater übertragen?

Nur folgerichtig, dass “Mein Thalia – Wir wären gern 2.0″ in diesem Frühjahr wieder den Weg zurück von der virtuellen auf die wirkliche Bühne findet: Am 01.04.2010 wird es einen Abend lang eine Reihe von externen Produktionen geben, die unter dem gemeinsamen Motto “Du lügst” stehen. Das Projekt kehrt die Richtung von “2BEORNOT2BE” um. Denn während zur Spielzeiteröffnung die Stadt auf die Bühne des Theaterhauses geholt wurde, geht das Theater nun raus in die Stadt: Wohnzimmer, Clubs, Galerien oder Straßenecken sind die Spielorte des vierstündigen Reigens, in dem einem Shuttlebus eine nicht unwesentliche Rolle zukommt. Protagonisten sind jedenfalls einmal mehr nicht die Ensemblemitglieder des Hauses, sondern mutige Individualisten: “Du lügst” entsteht allein durch “Hamburg Creatives Generated Content”.

Der scoop think tank in der Hamburger Botschaft wurde gleich nach unserem anregenden Treffen mit Jonas Zipf und Tarun Kade als erster teilnehmender Austragungsort festgeklopft. Wen dieser Call for Participation heiß macht auf das “Du lügst” Projekt oder den Thalia 2.0 Jour Fixe, möge sich reichlich Hintergrundinformationen über die entsprechenden Links beschaffen und mit den Akteuren in Kontakt treten.

http://www.thalia-theater.de/extra/duluegst
http://www.thalia-theater.de/zentrale

10.02.2010
von scoop think tank

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