Oper Leipzig Spielzeit 2013 / 2014

Beiträge für das Leipziger Ballett im Spielzeitbuch 2013 / 2014 der Oper Leipzig. Release zur Jahrespressekonferenz und Vorstellung der neuen Saison am 30.05.2013.

Gedanken zur Spielzeit 2013 / 2014 des Leipziger Balletts

Erleben – Bewegen – Fliegen. Mit diesem Anspruch sind wir angetreten vor drei Jahren bei unserem Neustart in Leipzig. Seit drei Spielzeiten sind wir gemeinsam mit unserem Leipziger Publikum auf dieser langen Reise, auf diesem erlebnisreichen Flug. Wir haben sozusagen unsere Reisehöhe erreicht. Die Begegnungen und Dialoge der ersten Spielzeiten wollen weitergeführt werden, neue Sichtweisen und Blickrichtungen entwickelt werden: Recherche, Engagement und Kooperation – alles dieses ist selbstverständlich für die künstlerische Arbeit, und es sind die bestimmenden Eigenschaften unserer Ballettkreationen und Projekte für die Spielzeit 2013 / 2014.

In unserer ersten Premiere spüren wir der Wirkungskraft und unerhörten Modernität von Uwe Scholz’ Schlüsselwerk »Pax questuosa« (1992) nach. Der zweiteilige Abend »Pax 2013« mit Kompositionen von Udo Zimmermann und Johann Sebastian Bach ist eines der größten von rund 30 in diesem Jahr geförderten Tanzfonds Erbe Projekten der Kulturstiftung des Bundes – und wird gemeinsam mit dem Institut für Theaterwissenschaften der Universität Leipzig, dem Tanzarchiv und vielen Zeitzeugen realisiert. Auch unsere zweite Premiere steht in der Musiktradition Leipzigs und widmet sich einer beeindruckenden und berührenden Komposition: Mozarts unvollendetem Requiem.

Jenseits der Großen Bühne des Opernhauses erforschen wir zusammen mit Ihnen und einer Reihe Leipziger Künstler neue Wege und Ausdrucksformen für den Tanz (»Intershop Camp«, »Tanz in den Häusern der Stadt«). Und begeben uns gemeinsam mit dem Gewandhausorchester und dem Haus Steinstraße auf neues Terrain: Unser Engagement für Kinder und Jugendliche führt uns über zwei Spielzeiten hinweg von Leipzig bis nach Bosnien-Herzegowina (Sarajevo Projekt »Grenzenlos«). 2014 laden wir erneut einen international anerkannten Gastchoreografen ein: Ohad Naharin (Batsheva Dance Company Tel Aviv) wird mit dem Ensemble des Leipziger Balletts eine ganz eigene Bewegungssprache entwickeln, eine für Leipzig ganz neue choreografische Farbe »anrühren« (»Deca Dance«).

Für alle diese Projekte braucht es Neugierde und Mut, immer wieder neue Türen aufzustoßen um zu schauen, was sich dahinter verbirgt. Leipzig ist voll von diesen unentdeckten Räumen. Die Stadt und ihre Menschen, die uns vor drei Jahren so herzlich Willkommen geheißen haben, inspirieren uns immer wieder aufs Neue. Neugierde und Mut, beides erfahren und erzeugen wir in unserer täglichen Arbeit: bei jedem unserer 40 Tänzer, die ihren Körper als ein Instrument einsetzen, das Geschichten erzählt und Räume zu öffnen vermag – und bei jedem unserer treuen Zuschauer, die eine Herausforderung immer als Begeisterung aufnehmen. Der Dialog, die Begegnung und die gemeinsame Reise mit der Stadt Leipzig hat für unsere Company gerade erst richtig begonnen.

»Pax 2013«

2-teiliger Ballettabend von Mario Schröder und Uwe Scholz / Tanzfonds Erbe Projekt / 1. Teil / »Blühende Landschaft« / Uraufführung / Musik von Udo Zimmermann und Johann Sebastian Bach / Choreografie Mario Schröder / 2. Teil / »Pax questuosa« / Musik von Udo Zimmermann »Pax questuosa (Der klagende Friede)« für Soli, drei Kammerchöre und Orchester nach Dichtungen von Franz von Assisi, Czesław Miłosz und deutschsprachiger Autoren des 20. Jahrhunderts (1982) / Choreografie Uwe Scholz

Uwe Scholz’ Ballett »Pax questuosa« ist ein Meilenstein in der Geschichte des Musiktheaters und des Tanzes ­ und gilt heute als Schlüsselwerk: Es war 1992 Scholz’ erste Produktion für das Ballett der Oper Leipzig ­ und es war sein erstes Stück, das sowohl einen neuen choreografischen Ansatz verfolgt als auch eine direkte, seismografische Reaktion auf seine konkrete Entstehungszeit darstellt. Das Ballettstück spiegelt direkt die gesellschaftspolitischen und weltgeschichtlichen Umstände der ersten Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges ­ mit genuinen künstlerischen Ausdrucksmitteln, zeitgenössischer Musik und einer choreografischen Formensprache, die Uwe Scholz’ spätere Handschrift begründet.

21 Jahre später begibt sich Mario Schröder mit der Neuinterpretation von »Pax questuosa« auf eine Spurensuche: Der ehemalige Solotänzer und jetzige Ballettdirektor und Chefchoreograf spürt einerseits seinem 2004 gestorbenen Mentor und Freund nach. Andererseits sind die Fußabdrücke, denen er nachgeht, auch seine eigenen. Die Recherche zu den Produktionsbedingungen und Zeitumständen des Jahres 1992 bringen Mario Schröder 21 Jahre später zurück in eine Zeit, die er selber als Erster Solist erlebte. Mario Schröders erster Teil “Blühende Landschaft” funktioniert so als Kommentar auf “Pax questuosa” und erforscht, welchen gesellschaftspolitischen Fragestellungen die Kunst in unserer heutigen, globalisierten Welt nachspüren muss.

»Intershop Camp«

Zwei »Intershop« Abende mit experimentellen Arbeiten junger Choreografen hat das Leipziger Ballett in den vergangenen beiden Spielzeiten gezeigt. 2014 erweitern wir die Projektreihe und laden zeitgenössische Künstler ein, gemeinsam mit der Company in einem einwöchigen Camp Stücke zu entwickeln, die gleichermaßen als Tanz-Performance, Installation, Medienkunst, Bühnenarchitektur und Film-Set funktionieren. Im Mittelpunkt des Camps steht die gemeinsame Artist-in-Residence Arbeitsweise: Die vier Ateliers stehen eine Woche lang für unsere Zuschauer offen, Workshops und Künstlergespräche öffnen den Produktionsprozess und schaffen eine kollaborative Projektatmosphäre.

Das »Intershop Camp« entsteht in Zusammenarbeit mit der Galerie für zeitgenössische Kunst (GFZK), dem Schauspiel Leipzig, der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und der Trans Media Akademie Hellerau (TMA).

Kommentieren