Interview Compilation

In den vergangenen drei Jahren entstand eine Reihe von Interviews mit Akteuren aus der Hamburger, Berliner und Dresdener Kulturszene. Die Dokumentationen der teilweise langen und intensiven Gespräche über bildende Kunst, Theater und Festivalbetrieb erschienen in Magazine und Online-Redaktionen. Dieser Beitrag zeigt eine Zusammenstellung einiger Gespräche mit Kulturschaffenden vom Thalia Theater, Kampnagel, Index Ausstellung, Reinkingprojekte, Stile der Stadt Videopanel und dem CYNETART Festival für computergestützte Kunst.

Thalia Theater – Gespräch mit der Kostümbildnerin Marysol del Castillo, der Bühnenbildnerin Barbara Ehnes und der Videokünstlerin Meika Dresenkamp

In der Hochphase der Probenarbeit zu Stefan Puchers Theaterproduktion “Andersen. Trip zwischen Welten” setzte sich der Autor dieser Reportage als Zaungast in den nahezu leeren Zuschauerraum des Hamburger Thalia Theaters. Ausnahmsweise nicht, um sich ein Bild über Dramaturgie und Regie der Inszenierung zu machen – sondern um die visuelle Umsetzung auf der Bühne wirken zu lassen. Später am Nachmittag setzte sich eine erschöpfte Crew in der Theaterkantine zusammen: Die Gewerke von Marysol del Castillo (Kostüme), Barbara Ehnes (Bühnenbild) und Meika Dresenkamp (Video) haben die Tendenz, bei Interviewanfragen eher in zweiter Reihe zu stehen – hinter der Regiearbeit von Stefan Pucher und der Dramaturgie von Benjamin von Blomberg. Für einen Magazinschwerpunkt “Surfaces” sind die visuellen Oberflächen, die die drei auf der Bühne kreieren, aber ein intensives Gesprächsthema – ein Gespräch über Video als bewegte Wandtapete, über die klaustrophobische Wirkung von wattierten Wandflächen und die sinnliche Erfahrung von Halbschattenfarben. weiterlesen

Der Fall Esra – Interview mit der Theaterregisseurin Angela Richter und dem Dramaturgen Andras Siebold

Ein halbes Jahr nach der Erstinszenierung in der Hamburger Theaterfabrik Kampnagel und ein halbes Jahr vor der Wiederaufnahme am Berliner HAU rekapitulieren wir mit Angela Richter (Regie) und Andras Siebold (Dramaturgie) den „Fall Esra“. Angela Richter entwickelte das Stück ein Jahr nach dem endgültigen Erscheinungsverbot von Maxim Billers Roman „Esra“ (2003), in dem der heute in Berlin lebende Schriftsteller laut endgültigem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Oktober 2007 die Persönlichkeitsrechte seiner Exfreundin und ihrer Mutter verletzte. Für die an allen Stellen juristisch heikle Inszenierung des Stoffes konsultierten die Theatermacher eine Hamburger Kanzlei. Kaum ein Schritt in der dramaturgischen Konzeption des Stückes fand ohne vorab klärende Rücksprachen mit den juristischen Beratern statt. Für das Gespräch erschien es daher nur folgerichtig, ein erneutes Zusammenkommen im Reinraum des Konferenzzimmers ebendieser Kanzlei zu arrangieren. Mit Diktiergeräten, Bahlsen-Mischung und nullzweier San Pellegrino-Flaschen. weiterlesen

Static Fades – Ein Gespräch mit dem Electronic-Musiker und Künstler Carsten Nicolai

DARE: Als bildenden Künstler kennt man dich unter deinem richtigen Namen Carsten Nicolai. Als Electronic-Musiker unter dem Namen alva noto. Ein Pseudonym, wie Fernando Pessoa es benutzt hat, wenn er unterschiedliche Texte publiziert hat.

Nicolai: So handhabe ich das. Ich mache schon deutliche Unterschiede zwischen bildender Kunst und meiner Tätigkeit im Zusammenhang mit raster-noton. alva noto steht für Sound und Musik, für die Zusammenarbeit mit anderen Musikern: Ryuichi Sakamoto oder aktuell Michael Nyman, mit dem ich eine Produktion zum Berliner MaerzMusik Festival plane. Pseudonyme sind in der Musik auch nichts ungewöhnliches, denk mal an Aphex Twin oder Wolfgang Voigt. weiterlesen

CYNETART – Interview mit dem Festivalleiter Thomas Dumke, dem Gründer der Trans Media Akademie Klaus Nicolai und dem Medienkünstler Ulf Langheinrich

Virtual Encounters – Am 26. November 2009 startet in Dresden die CYNETART. Das Festival für computergestützte Kunst findet 2009 zum dreizehnten mal statt und hat sich neben den Flaggschiffen Transmediale und Ars Electronica als kleine aber feine Plattform an der Peripherie etabliert. Vor zwei Jahren entstand zur elften CYNETART eine Reportage für DIE ZEIT, die hier, als Update und in erweiterter Form, aufgegriffen wird. Im Anschluss an eine Kartografie der europäischen Medienkunstszene ist eine Gesprächsrunde dokumentiert, die sich 2007 zwischen zwei Produktionen in der Lounge des Festspielhauses Dresden Hellerau zusammengefunden hat. weiterlesen

Stile der Stadt Videopanel – Ein Gespräch mit dem Kurator Dirck Möllmann und dem Künstlerischen Leiter Filomeno Fusco

Relax it’s only video – Vor einem Jahr, im Januar 2008 öffneten Filomeno Fusco und Dirck Möllmann die eiskalten Lagerräume der Clemens-Schultz-Strasse, mitten auf St. Pauli, und landeten mit der Adresse des neuen Ausstellungsraumes einen Coup. 300 qm auf dem Kiez sind für Kunst nicht leicht zu beschaffen. Die erste Ausstellung war das “Stile der Stadt” Videopanel. Elf Videoarbeiten konnten sich raumgreifend in den teils gekachelten, teils roh verputzten Hallen des ehemaligen Getränkelagers austoben. Im Augenblick versieht der dänische Besitzer des Gebäudes das Lager mit Schallschutzdämmung: Besucher können 2009 darauf hoffen, bei Ausstellungen in der Clemens-Schultz-Strasse nicht mehr frieren zu müssen – und sich in Punkto Musik nach 22 Uhr weniger dezent verhalten zu müssen. weiterlesen

Index – Interview mit der Galeristin und Ausstellungsleiterin Elena Winkel

Menschen interessieren sich am stärksten für Kunst, wenn sie die Option haben, ein Werk auch zu kaufen – Ein Gespräch mit Elena Winkel zur Eröffnung der Index 08 im Hamburger Kunsthaus. – “Ich bin ab elf Uhr am Kunsthaus, kommt doch gegen Mittag vorbei”, hatte Elena uns gesagt, und als wir uns ihr gegenüber an den Tisch mit der Bücherauslage setzen, denken wir einen Moment lang, was soll das für ein Interview werden, die Gute kann doch nur körperlich anwesend sein nach der langen Ausstellungseröffnungsnacht. Elena hat sich einen weiten Pullover über den müden Körper gezogen, und das erstaunliche ist, dass ihre schläfrige, ein wenig monotone Stimme die Inhalte sehr präzise artikuliert und ihre Gedanken gar nicht mal so träge verlaufen wie die Kürze der Nacht es befürchten ließ. weiterlesen

Reinkingprojekte – Ein Gespräch mit dem Kurator, Sammler und Galeristen Rik Reinking

Ein Künstler beantwortet nichts. Aber er hat vielleicht dieselbe Fragestellung wie ich – Im September startete eine Ausstellung des britischen Street-Art Künstlers Boxi die “Reinkingprojekte”. Der Hamburger Sammler und Kurator Rik Reinking plant eine lang angelegte Ausstellungsreihe in neuen Räumlichkeiten. Ein Gespräch. Rik Reinking zu treffen ist ganz leicht. Und man würde eine Reportage nicht mit so einem schlappen Satz beginnen, wenn nicht in allen anderen Reportagen stünde, Rik Reinking zu treffen sei ausgesprochen kompliziert. Wir treffen uns nicht auf einer Auktion in Shanghai oder in den Staaten oder bei Tilt’s Fetish Bubble Girls in Toulouse. Rik ist diesen Herbst viel in Hamburg, die Ausstellungsräume in der Sillemstrasse sind fertig, sein Hund kommt zur Ruhe, er selber wohl auch ein wenig. Er habe gelernt, Türen auch zu schließen, nicht immer neue aufstoßen zu müssen. Im Hof geht ein dünner Regen runter, Riks Vermieter steht irgendwann im Verlauf unseres Gesprächs unvermittelt am Tor, im Blaumann, und lässt eine kleinformatige Boxi-Arbeit für seine Tochter reservieren. Ich frage nicht nach, ob hier in Naturalien gehandelt wird. Rik und ich haben beide die Tendenz, in unseren Sesseln immer tiefer zu rutschen, so dass bald von sitzen keine Rede mehr sein kann, eher von lümmeln. Und dass wir an einem leicht verregneten Eimsbütteler Herbstabend in seinen Sesseln herumlümmeln kam so. weiterlesen

subvision Festival für internationale Gegenwartskunst – Interview mit dem Kuratorenteam Brigitte Kölle und Tim Voss

Angelegte Wege zu verlassen und querfeldein zu laufen ist ein schönes Bild dafür, routinierten Abläufen zu entgehen. Olaf Bargheer (Kommunikationsleitung des subvision Festivals) sprach im April 2008 mit dem Kuratorenteam über künstlerische Inhalte und den strukturellen Spagat des subvision. kunst. festival. off. Brigitte Kölle ist Kuratorin des Kunstfestivals subvision. Tim Voss war bis Ende 2008 an der konzeptionellen Vorbereitung des Festivals beteiligt. weiterlesen

subvision Festival für internationale Gegenwartskunst – Interview mit dem Architekten Simon Putz

Eine Architektur mit hohem Maß an freier Improvisation für die Künstlerinitiativen – Simon Putz, Prof. Michael Staffa und eine Reihe weiterer Architekten der Architekturwerstatt Hamburg e.V. standen vor der Herausforderung, eine Ausstellungsarchitektur für ein ca. 10.000 qm großes Festivalgelände zu entwerfen – mit einem Etat, den sie normalerweise für ein halbes Einfamilienhaus ansetzen würden. Olaf Bargheer sprach für subvision mit Simon Putz über die Funktionalität der geplanten Ausstellungsarchitektur und die direkte Nachbarschaft zum städtebaulichen Großprojekt HafenCity. weiterlesen

22.03.2010
von scoop think tank

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