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Der scoop think tank ist ein loser Verband von Kreativwirtschaftlern, die fachmännisch und versiert darin sind, Kommunikations- und Veranstaltungsformate an der Schnittstelle zwischen Kultur, Medien und Marken zu konzipieren.

Mit dem scoop think tank ist das so wie mit einer edlen kleinen Tuningschmiede: Die großen Automobilhersteller entwickeln für die Großserie. Wir sehen uns als Manufaktur, als Fachbetrieb für Studien und Ausstattungslinien, die in einigen Jahren serienmäßig auf der Straße zu sehen sein werden.

Der scoop think tank entwickelt für Unternehmen und Kulturinstitutionen Kommunikationsformen, die das Tagesgeschäft der Presseabteilungen oft sprengen: Online-Redaktionsformate und Social Media Strategien, Magazine und Blogs, Podcasts und User-Partizipation, Guerilla und Suchmaschinenmarketing.

Der folgende Text entstand als Beitrag für den Festivalreader des subvision Festivals für internationale Gegenwartskunst:

Für eine Kommunikationsagentur gibt es wenig undankbarere Aufgaben als die Öffentlichkeitsarbeit für ein Festival, das zum ersten Mal stattfindet. Man kann nirgends anknüpfen. Weder an bestehende Strukturen, noch an ein irgendwie geartetes Vorwissen der Menschen, die ich erreichen und für die Sache interessieren will.

Beim subvision Festival stößt man zudem auf ein inneres Spannungsfeld: die praktische Öffentlichkeitsarbeit changiert zwischen den Anforderungen des klassichen Kulturbetriebes (Museen, Stiftungen, Kulturbehörden) und den Mechanismen eines diffus zu definierenden “off” oder “underground”. In der Kommunikation wollten wir die genuinen Möglichkeiten und Verfahrensweisen beider Felder einsetzen. Die Marketingliteratur würde von unterschiedlichen “Zielgruppen” und der Einbindung von “Opinion Leadern” und “Multiplikatoren” sprechen. Im klassischen Kulturbetrieb hieße das: “Lobbyarbeit”. Innerhalb der Szene: “Credibility”. In diesem Spannungsfeld einen schlanken, authentischen Kurs zu setzen, sollte Leitmotiv und Prämisse für die Kommunikation eines Projektes wie subvision sein: so viel Seriösität und Klarheit wie nötig, so ungezwungen und suggestiv wie möglich.

Was heißt das: suggestiv die Aufmerksamkeit auf ein Kunstprojekt lenken? Kommunikation mit Guerilla- und below-the-line-Anteilen ist eher im Non-Profit-, Musik- und Club-Umfeld beheimatet, kaum bei staatlichen Museen oder Theatern. Man geht performativ vor, gibt kleine Einwürfe, manchmal ohne klaren Informationsgehalt, ohne direkte Werbewirkung, verzichtet bewusst auf Strategie, Kampagne und klare Steuerung. Die klassische Push Information von oben tritt in den Hintergrund. Antizipation, Austausch und prozessuale Themenentwicklung innerhalb einer Community führen zu einem Verständnis von Kommunikation, das sich mit Werbung, Marketing oder PR nicht beschreiben lässt. In der freien, partikularen Kunstszene ist eine starke Community ähnlich wichtig wie in der Musikszene. Aus einer Reihe naheliegender Gründe: ein Flyer kostet weniger als ein Großflächenplakat. Eine Facebook-Gruppe und ein adressenreicher Email-Verteiler wirken mitunter weitreichender als Ausstellungsankündigungen in der Presse. YouTube-Filme haben oft mehr Views als Feuilleton-Rezensionen. Der Umgang mit Blogs, Social Media Networks und viraler Kommunikation ist hier selbstverständlich.

Die Kommunikation des subvision Festivals wurde also bestimmt durch ein austariertes Verhältnis zwischen klassischen Push Kommunikationsmaterialien und einem durchaus nonchalant gehandhabten Umgang mit Neuen Medien und viralen Tools. Wir mussten gelassen genug sein, trial and error zu praktizieren, über Bande zu spielen, Steine in einen stillen See zu werfen und zu schauen, wie die Kreise sich ausbreiten. Was in einer Richtung als selbstverständlich empfunden wurde, wurde aus der anderen Richtung mitunter unverständlich aufgefasst. Die Flanken bleiben bei einem spannungsgeladenen Projekt wie subvision an vielen Seiten ungedeckt. (…)

Entgegen feingliedriger aber statischer institutioneller Websites wurde bei subvision Wert auf den prozessualen Reportagecharakter eines Blogs gelegt. Die einzelnen Beiträge schichten sich zu einem Ganzen und spiegeln so transparent die Entwicklung der Festivalplanung. Künstlerinitiativen, Projektzwischenstände und Nebenschauplätze wurden nach und nach in kurzen Reportagen vorgestellt. Kommentarfunktionen, Verlinkungen und Bildmedien schaffen ein Geflecht aus Plattform und Satelliten. Weit über dreihundert recherchierte Websites von Künstlerinitiativen, Magazinen, Bild- und Filmdatenbanken, Foren und Social Media Networks verlinken sich um einen Gravitationskern aus Schlagwörtern wie “off-Kunst”, “Künstlerinitiativen”, “artist-run spaces”. Bookmarks und Suchbegriffe wurden so angelegt, dass, wer zukünftig online zum Thema Kunstinitiativen recherchiert, einen profunden Überblick bekommt. Dieses Vorhaben ist so gesehen das digitale Equivalent der Vermittlung auf dem Festival: Das Thema muss weitergetragen werden. Die Fragen weiter gestellt. Aus den Gesprächen heraus müssen Verbindlichkeiten entstehen. Verabredungen getroffen und Interessen formuliert werden.

Reportage, Dokumentation und Nachbearbeitung ist essentiell bei einem Projekt, das für einen Zeitraum von gerade einmal zwölf Tagen im Spätsommer angelegt ist. (…) Die Öffentlichkeitsarbeit hat unter solchen Vorraussetzungen eine gedoppelte Verpflichtung Künstlern, Projektverantwortlichen und Projektpartnern gegenüber: dafür zu sorgen, dass viele Menschen teilhaben in den zwölf Tagen; und dafür zu sorgen, dass eine Teilhabe und Information auch nach den zwölf Tagen möglich ist. Spannungserzeugung und Mobilisierung von Besuchern im Vorfeld des Festivals ist die eine Seite; Aufbereitung für die nachträgliche Dokumentation die andere.

Das subvision Festival ist einmalig gefördert und konzipiert. Eine Weiterführung der Initiative über 2009 hinaus ist entscheidend an den inhaltlichen Erfolg des Festivals gekoppelt; und an die erfolgreiche Vermittlung dieser Inhalte. Finanzierung von Kulturprojekten hängt davon ab, ob man die Dringlichkeit und Präsenz eines Projektes deutlich machen kann. Bilddatenbanken, Kataloge, Image-Filme und einige Seiten Google-Suchergebnisse bilden dahingehend ein gutes Polster oder, in der Tonalität der Lobbyarbeit, ein fundiertes “Portfolio”. Neuen digitalen Medien wird weitläufig vorgeworfen, sie wären flüchtig und hätten eine geringe Halbwertzeit. Die subvision Kommunikation empfiehlt: Gekonnt auf temporäre Kulturprojekte angewendet, ist das Web 2.0 in der Lage, nahezu kostenneutral Nachhaltigkeit zu schaffen.

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